#238 - Kein Unternehmen braucht Hollywood!
Ein Videostudio für 30.000 Euro, das nach sechs Monaten niemand mehr benutzt? Genau das habe ich bei einem Unternehmen erlebt. Und es ist kein Einzelfall.
Viele Unternehmen denken beim Thema Video immer noch an aufwendige Produktionen, teure Kameras und möglichst perfekte Bildqualität. Doch genau dieser Anspruch kann dazu führen, dass Videokommunikation im Unternehmensalltag scheitert.
Auslöser für diese Folge war ein Kick-off bei einem neuen Kunden. Bei der Planung eines größeren Corporate Studios stand die Frage im Raum: Muss es unbedingt 4K sein, damit das Studio zukunftssicher ist? Oder reicht professionelles Full HD?
Die Antwort des Marketingleiters brachte es auf den Punkt: Das Unternehmen braucht keine Hochglanzfilme, sondern eine Möglichkeit, schnell, regelmäßig und in guter Qualität zu kommunizieren.
4K oder Full HD – was braucht ein Unternehmen wirklich?
4K bedeutet nicht nur andere Kameras. Auch Videomischer, Verkabelung und weitere Komponenten müssen dafür ausgelegt sein. Bei größeren Studioprojekten kann das die Technikkosten erfahrungsgemäß um 15 bis 25 Prozent erhöhen.
Aber bringt die höhere Auflösung bei internen Informationen, Expertenvideos, Webinaren oder CEO-Statements tatsächlich einen entsprechenden Mehrwert?
Warum perfekte Technik zum Problem werden kann
Je komplexer ein Studio ist, desto mehr Fachwissen und Vorbereitung sind erforderlich. Im schlimmsten Fall kann nur noch eine einzige Person aus dem Marketing die Technik bedienen. Ist diese Person nicht verfügbar, finden keine Aufnahmen statt.
Dabei brauchen Unternehmen vor allem zuverlässige Technik, einfache Bedienung und wiederholbare Abläufe. Mitarbeitende sollen Videos selbst produzieren können, ohne jedes Mal einen Spezialisten hinzuziehen zu müssen.
Vom stundenlangen Videoschnitt zum fertigen Podcast
Ein Beispiel aus dem aktuellen Kundenprojekt: Für einen internen Videopodcast werden bislang drei Kameras, Mikrofone und Beleuchtung aufgebaut. Anschließend müssen sämtliche Aufnahmen synchronisiert und aufwendig geschnitten werden.
Mit einem geeigneten Studio und Liveschnitt kann ein 35- bis 40-minütiger Videopodcast dagegen unmittelbar nach der Aufnahme weitgehend fertig sein. Das spart nicht nur Zeit, sondern macht regelmäßige Produktionen überhaupt erst praktikabel.
Warum manche Corporate Studios nach kurzer Zeit leer stehen
Ich erzähle von zwei Projekten, bei denen teure Videotechnik kaum noch genutzt wurde. In einem Fall fehlten die Einbindung und Schulung der Mitarbeitenden. In einem anderen war die Technik so umständlich, dass sie nach wenigen Monaten praktisch ungenutzt blieb.
Beide Beispiele zeigen: Ein Videostudio einzurichten reicht nicht. Entscheidend sind die Menschen, die Prozesse und die Begleitung nach der Installation.
Wann High-End-Produktionen trotzdem sinnvoll sind
Für Imagefilme, Werbekampagnen, Markenfilme oder aufwendige Produktinszenierungen haben professionelle Filmproduktionen selbstverständlich ihre Berechtigung.
Aber ein aktuelles Informationsvideo, ein Webinar oder eine interne Unternehmensbotschaft braucht andere Maßstäbe. Hier zählen Aktualität, Verständlichkeit und Wirkung – nicht der maximale technische Aufwand.
Mein Fazit: Nutzung vor High-End
Das beste Corporate Studio ist nicht das mit der teuersten Technik. Es ist das Studio, mit dem Mitarbeitende regelmäßig, selbstständig und zuverlässig Videos produzieren.
Denn Videokommunikation ist für Unternehmen kein Selbstzweck. Sie ist ein Werkzeug, um Kunden zu informieren, Wissen zu vermitteln, Vertrauen aufzubauen und Menschen zu erreichen.
Und genau deshalb braucht kein Unternehmen Hollywood.
Mehr zu meinem Thema Videokommunikation 4.0 erfährst Du hier:
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