Dein Podcast über Videokommunikation 4.0
Florian: Videokonferenzen gehören für uns längst zum Arbeitsalltag. Doch warum fühlen wir uns nach manchen Online-Meetings völlig erschöpft, während andere sogar richtig Spaß machen? Meine heutigen Gäste beschäftigen sich genau mit dieser Frage. Annette Lindstedt ist Gründerin von Lindemans lebendige Online-Veranstaltungen und schon seit 1994 fasziniert sie die Frage, wie Menschen über Distanz erfolgreich lernen, kommunizieren und zusammenarbeiten können. Alexandra Noack ist in ihrem Team für das Thema Veranstaltungsmanagement, Trainingsentwicklung und Sales verantwortlich. In ihrer Masterarbeit hat sie sich intensiv mit den wissenschaftlichen Ursachen und Folgen der sogenannten Zoom-Faktik beschäftigt. Ja, und genauer darüber möchten wir heute sprechen. Denn warum machen uns Videokonferenzen müde und was läuft in vielen Online-Meetings falsch und vor allem, was können wir dagegen tun, damit digitale Kommunikation wieder Freude macht? Hallo ihr zwei. Schön, dass ihr heute bei mir im Podcast seid. Eine der seltenen Folgen mit drei Personen. Von daher freue ich mich schon sehr auf das Gespräch und auf eure Impulse. Was würdet ihr sagen? Wo stehen wir heute und wie viel Bock, das mal ganz plakativ zu sagen, haben Leute heutzutage gerade auch in Unternehmen oder in Organisationen noch auf Online-Veranstaltungen?
Annette Lindstädt: Hallo Florian, vielen Dank für die Einladung. freue mich sehr, dass wir da sein dürfen und mal wieder ein Herzensthema propagieren dürfen. Wie viel Bock haben die Leute? Ich glaube, es ist weniger eine Frage der Lust, sondern in vielen Unternehmen und großen Organisationen ist schlicht Alltag, wie du auch schon anmoderiert hast, dass Menschen sehr viele online Konferenzen, Videokonferenzen und Calls haben. Dann kommen noch Webinare dazu für die Weiterbildung, vielleicht auch Online-Workshops, an denen Sie teilnehmen, ob freiwillig oder nicht, das sei mal dahingestellt. Also die Menge an Zeit, die wir vor dem Videobildschirm verbringen, ist einfach sehr, sehr hoch. Und damit
Florian: Mhm.
Annette Lindstädt: einhergehen dann eben bestimmte Ermüdungseffekte, auf die wir gleich sicher im Detail noch kommen können.
Florian: Sehr schön. Wir hatten ja schon eine Anworteration. Ich haue nämlich jetzt mal so richtig schön dazwischen. Hat es mich ja gefragt. Ich habe immer meine drei Icebreaker-Fragen und du hattest die ja schon bei unserem Gespräch. Das war glaube ich letztes Jahr, genau, letztes Jahr im Spätsommer. Da hattest du die schon beantwortet. Deshalb Alexandra, einmal so richtig schön vor die Karre gefahren, raus aus dem eigentlichen Thema, stelle ich dir die drei Fragen jetzt auch. Überraschung muss sein. Aber ich habe schon gehört, du bist eine sehr gut vorbereitete... Sprich, du hast ja schon vorhin angehört und wusstest dass die kommen. daher stelle ich dir die Fragen. Nummer eins.
Alexandra Noack: Bisschen Inspiration sammeln.
Florian: Genau. Frage Nummer eins, sehr philosophisch. Eines Tages schauen wir zurück auf unser Leben. Auf den heutigen Tag. gibt es an Dingen oder an Fähigkeiten, du sagst, boah, wenn ich, das kann ich jetzt noch nicht, aber wenn ich eines Tages halt diese Welt verlasse, möchte ich das unbedingt bis dahin gelernt haben. Eine Sache, eine Fähigkeit.
Alexandra Noack: Vielleicht eine ganz alltägliche Sache. Ich würde es gerne schaffen, dass jede Pflanze es schafft, bei mir zu überleben. Also einfach wissen, welche Pflanze Wasser braucht, welche Pflanze Lichtbrauchschatten braucht, damit meine Wohnung, mein Haus, was auch immer ich in Zukunft haben werde, mein Garten ganz grün sein darf, ganz bunt sein darf. Weil ich genau weiß, was diese Pflanze braucht. das scheitert hier gerade noch an den Leichen in meiner Wohnung.
Florian: Das kenne ich. Ich habe den braunen Daumen. Von daher
Annette Lindstädt: Same.
Florian: kann ich das nachvollziehen. Ich bin auch typisch Mann und frage mich, warum soll ich pflanzen? Also ja, Luftreinigung und so. Meine Frau macht das alles, aber ich kenne niemals die Idee, mir ein Büro pflanzen zu stellen. Also nicht, dass ich was dagegen habe, aber das findet in meiner Welt gar nicht statt. Also das ist immer andere machen sowas und finden das wichtig. Von daher sehr lobenswert. Dann eine fiese Fangfrage. Jetzt muss mal... deine Chefin weghören. Wie würdest du deinen Arbeitsplatz gestalten, wenn eine gute Fee käme und sagen würde, Alexandra Mensch, Geld und Ort und was du tust, alles völlig wurscht. Du
Alexandra Noack: Hm?
Florian: kannst ja aussuchen, wo du arbeitest auf der Welt an einem Platz, den du so gestaltest, wie du willst und mit dem, was du am liebsten machen würdest. Was wäre so dein Traum?
Alexandra Noack: Das ist schwierig, habe ich mir nämlich auch schon so die Frage so im Kopf gestellt und dachte mir, im Moment ist der Wunsch, glaube ich, gar nicht so, viele würden jetzt sagen vielleicht Karibik, Hawaii, ich will irgendwo auf den Strand gucken. Bei mir ist es eher, ich wohne jetzt mittlerweile ein paar Jährchen weiter weg von meiner Familie. Ich würde einfach gerne eine sehr schöne Wohnung mit einem Altbau, so 20 Minuten entfernt von meiner Familie mit so einem Schreibtisch, der so die Ecke geht, mit so einem Stuhl. wo ich so im Schneidersitz draus sitzen kann, so ein sesselartiges Ausklappding. Im Winter jetzt gerne so beheizte Finger oder so, wo man dann die Finger anwärmen kann nach dem Tippen oder so. Ich glaube, ich bin da sehr pragmatisch einfach. Und wenn ich es mir natürlich aussuchen dürfte, dann würde ich nur drei von fünf Tage arbeiten. mal gucken, wie mein Leben so laufen wird.
Florian: Ja, alles gut. Die gute Fee freut sich, weil sie ganz schnell Feierabend hat bei deinen Wünschen. Also, insofern ist ja alles okay. Ist ja jeder sehr Sandy wird L unterwegs. Also, sagen auch, ich sag immer, Mensch, dir hört dein Chef grad nichts zu, sagen auch, ist eigentlich alles ganz toll jetzt so. Find ich gut. Na ja, jetzt stellen wir vor, es hört nicht dein Chef zu oder so. Ja, dann würd ich gern in den Bergen
Annette Lindstädt: ...
Florian: ... So ist jeder unterschiedlich, ne?
Annette Lindstädt: Wir sind da ganz transparent. Da haben wir kein Problem, Alexander und ich.
Alexandra Noack: Vielleicht kann die Fee mir jeden Morgen einen frischen Kaffee bringen oder so zwei, so einmal früh und einmal mittags. Das wäre dann eine tolle Fee.
Florian: Dann hat meine Frau eine tolle Fee zu Hause. Ich mache das nämlich morgens. Fast immer, außer heute. Heute hatte ich erzählt, stand der Klempner am Viertelfach vor der Tür. Da bin ich noch nicht lebensfähig, also habe ich es noch nicht geschafft, einen Kaffee zu machen. Ja, aber es ist gut, von selber auch nicht schlecht. ich mir gut vorstellen. Last but not least, welcher bekannten Persönlichkeit wärst du gerne begegnet und würdest gerne begegnen, wenn sie noch lebte? Und was hättet ihr miteinander besprochen oder würdet ihr miteinander besprechen?
Alexandra Noack: Ja, ich habe schon zu Annette gemeint gestern, dass mich diese Frage echt jetzt mehrere Tage beschäftigt hat, weil ich die richtig knifflig finde.
Florian: Okay.
Alexandra Noack: Ich glaube, dass es so eine Marathonläuferin oder so was wäre. Ich glaube jetzt, Teichst Asefa oder so heißt sie, den Berlin Marathon, die es ja gewonnen hat, weil ich einfach mir vorstelle, also ich bin auch laufe regelmäßig, aber nicht in dem Umfang, was die für ein Mindset haben müssen. Die hat sich ja irgendwie kurz vor Zielende die Achilles-Szene komplett durchgerissen und ist trotzdem weitergelaufen. Also was die Leute dann
Florian: Mh. Au.
Alexandra Noack: einfach in ihr mit ihrem Mindset, mit ihren Gedanken mitbringen, was da im Kopf passiert, das fände ich total spannend einfach darüber zu reden, was für ein Biss diese Leute haben, was für ein Ehrgeiz, ja davon so bisschen inspiriert werden und einfach vielleicht auch so Tipps und Tricks. Vielleicht könnte ich dann auch einen Halbmarathon oder so was wenigsten laufen, wenn die so ein paar Tipps durchgeben, weil ich finde das total krass. Auch so Leute, die so Highrocks-Sachen machen oder so, das finde ich total beeindruckend, was die mit ihrem Körper so leisten können. Und die Leute sind so alt und so jung wie ich. Ja, das finde ich beeindruckend.
Florian: Alles gut. Also krass. Also hatte ich auch noch nie Sportler. Ich finde es auch beeindruckend. Wahnsinn. Kann zwar nicht nachvollziehen, aber beeindruckend. Und in meinem Alter
Alexandra Noack: Ja.
Florian: spielt es auch keine Rolle mehr so langsam, im Marathon laufen. Aber absolut.
Annette Lindstädt: Das sollte man jetzt nicht mehr anfangen.
Alexandra Noack: ...
Florian: Nein, nein. ich kann es nachvollziehen, mein jüngster Sohn, ist jetzt 20. Bis so 16, 17 war der auch... Er ist immer noch großer Fußballfan und so, aber jetzt ist nicht mehr so, dass er Ambitionen hat. Und der hat da mitgefiebert, kannte alle und wollte auch immer genau wissen, wie die trainieren oder was auch immer. Also der war da auch total beim Thema Fußball drin. Da fand ich faszinierend, wie der sich da jedes Detail von seinen großen Vorbildern abgeguckt und angehört hat. Von daher, alles gut. Ja, jetzt darfst du die Frage, die ich eben Annette gestellt habe, die es an dich weitergeben wollte, auch beantworten.
Alexandra Noack: Ja. Ja, Zoom-Fatigue ist ja so ein Thema quasi, so, also so April 2020 kam dieser Begriff ja so ein bisschen hoch in Wissenschaft und vor allem auch im Journalismus. Und seitdem würde ich auch sagen, sind wir relativ, so wie er nettes gesagt hat, daran gewöhnt, Online-Meetings zu machen. Und vielleicht war 2020 auch noch ein bisschen mehr der Gedanke da, dass wir uns dabei Mühe geben, weil die Leute sollen ja genauso gut zusammenkommen online, wie sie es im Präsent kommen und jetzt einfach mittlerweile sechs Jahre später die Leute gemütlicher sind, solche Meetings
Florian: Hm.
Alexandra Noack: zu machen und wir ja da total proaktiv dagegen sprechen und sagen, ne, wir können mit einfachen Tipps und Tricks so ein Meeting ganz toll aufwerten.
Florian: Mhm.
Annette Lindstädt: Vielleicht kann ich noch ergänzen. Alexandra hat ja ihre Masterarbeit darüber geschrieben mit Lindmans als Praxispartner, weil uns das Thema einfach beide sehr interessiert hat. Und dann hat sie sich da in die Forschung reingebohrt. Und dann haben wir festgestellt erfreulicherweise, dass ganz viele von den Prinzipien, die wir bei Lindmans, soll jetzt kein Werbeblock sein, aber die wir schon schon lange verfolgen, tatsächlich auch wissenschaftlich nachgewiesen helfen. gegen Videokonferenzmütigkeit. Aber vorwegschicken ist eigentlich, wollen wir eigentlich auch noch die wichtige Botschaft, dass wenn ich müde bin von Videokonferenzen, ist das nicht meine eigene Schuld oder so. Das ist kein individuelles Versagen, sondern es hat wirklich ganz, ganz wissenschaftlich nachgewiesene körperliche Ursachen, die in der Natur der Sache der Videokonferenz liegen. Vielleicht magst das mal erklären, Alexandra, weil da bist du viel. stärker im Detail als ich. Die ganzen Effekte, die da herausgefunden wurden, das finde ich nämlich total spannend. sind nicht so bekannt.
Alexandra Noack: Ja,
Florian: Doch,
Alexandra Noack: genau. Es gab nämlich, ich nochmal nachgehoben, 45 verschiedene Definitionen zum Thema Technostress und was es alles da, Technikstress, was es alles für Synonyme davor gibt.
Florian: Mhm.
Alexandra Noack: Und auch vor allem von dieser Ermüdung, von der Annette gesprochen hat, habe ich herausgefunden, die gab es auch schon, bevor wir Online-Meetings gemacht haben. Die gibt es und gab es im Präsenz genauso. Das kennt auch jeder von uns. Es war halt einfach nur nicht so ein großes Thema, wie es jetzt in Online- Veranstaltung dann groß wurde. Genau, und es gibt halt quasi bei Zoom-Fatigue in der Definition kann man das quasi in so einem aktiven und passiven Teil unterscheiden. Also einmal die Zoom-Fatigue, die Auswirkungen, die entstehen aufgrund von Informationsüberflutung, weil wir mit viel, mehr Information verarbeiten müssen, unser Gehirn verarbeiten muss als in Präsenz, aber auch die Informationsasymetrie, das heißt, dass uns Informationen fehlen. die wir in Präsenz bekommen, aber online nicht. Und
Florian: Mhm.
Alexandra Noack: da gibt es jetzt zum Beispiel einfach nur so in der Informationsüberflutung, dass wir natürlich, wenn wir in so einer Online-Veranstaltung sitzen, beispielsweise 15 Gesichter gleichzeitig ins Gesicht gucken. Weil wir ja alle in einer Galerieansicht auf kleinstem, einem kleinen Rechten zusammen haben. Und in einem Raum, wo wir zusammensitzen, schauen wir uns ja nicht 15 Gesichter gleichzeitig an, sondern man hat immer mal wieder Blickkontakt mit einer Person. Und das ist natürlich etwas, was unser Gehirn so gar nicht gewohnt ist, weil es hat es ja nie gelernt. Und deshalb halt einfach überfordert ist, diese ganzen Informationen, diese ganzen visuellen Effekte, die da passieren, gleichzeitig verarbeiten zu müssen. Und dann, das nennt man auch den Hypergaze-Effekt, es gibt auch natürlich Fachbegriffe dafür. Und dann gibt es noch den Mirror-Effekt, dass wir ja nicht nur andere Leute angucken,
Florian: Mhm.
Alexandra Noack: sondern auch uns selber. Was wir ja in Präsenz auch nicht sagen. Wir haben manchmal so den Vergleich, stellt euch mal... in einer Online-Veranstaltung oder einem Meeting mit einem Spiegel hin und schaut euch mal 60 Minuten lang die ganze Zeit selber an. Das macht man ja online und das führt natürlich auch zu so Selbstkritik oder dass man sich halt die ganze Zeit beobachtet, dass man gerade da sitzen will, dass man die Mimik richtig zeigen will und alles Mögliche. Aber man ist ja natürlich auch die ganze Zeit ja fokussiert. Das ist man ja auch nicht so gewohnt, sich die ganze
Florian: Mmh.
Alexandra Noack: Zeit selber anzugucken. Genau, und dann gibt es halt noch die Informations, naja, uns Infos fehlen. Man sieht jetzt mein Gesicht, man sieht aber nicht meine Hände, man sieht auch nicht, wo meine Augen wirklich hingehen. Diese ganzen Infos, die so nonverbal eigentlich in Präsenz passieren, dass man mal in die gleiche Richtung guckt, dass man einfach durch die Körperhaltung versteht, welche Emotionen, welche Gedanken vielleicht die Person gerade so ein bisschen hat, dass man das ein bisschen nachvollziehen kann. Das fehlt uns. online und das muss unser Gehirn quasi nacharbeiten. Das heißt, er muss aus den wenigen Infos, die es kriegt, alles andere vollfüllen und das ist natürlich total anstrengend. Daraus entsteht dann dieser Stress, den wir quasi in Online-Veranstaltungen unter Zoom-Fatigue umschreiben.
Florian: Und von der Tontechnikseite kann ich nur sagen, wenn wir akustisch gefordert werden, weil meine Erfahrung ist, 90 % derer, Videokonferenzen besuchen, veranstalten, doch eher die Minimalanforderungen an die Technik, wo man sich teilweise echt anstrengen muss. Mimik auf der Videospur teilweise gar nicht zu erkennen ist, weil von hinten das Licht blendet oder alles zu dunkel oder pixellig. es gibt, das habe ich sogar schon vor 25 Jahren im Studium gelernt, es gibt halt die Hörermüdung, die brutal schnell einsetzt sogar. Also das ist, ich weiß nicht mehr genau, beim Hörvergleich zwischen zwei Signalen sind es schon ein paar Minuten, aber es ist wirklich so nach einer halben, dreiviertel Stunde, wenn du angestrengt hörst, wirst du körperlich müde. Und die meisten Leute sind dem ja auch noch ausgesetzt. Und dann noch schlechtes Bild dazu, das spielt ja auch noch eine große Rolle. Und wie du schon sagtest, wenn ich nicht sehe, außer einem abgeschnittenen Kopf, das ist ja auch der normale Standard, wer hat schon die Möglichkeit, wie ich jetzt zweite Kamera, Körpersprache reinfließen
Alexandra Noack: Hm.
Florian: zu lassen. Das findet ja eigentlich nicht im Standard statt. Und kann ich absolut nachvollziehen, dass die Menschen da irgendwann einfach innerlich abschalten.
Annette Lindstädt: Genau, das sind so diese individuellen, wirklich körperlichen Dinge. Da wurde auch in der Forschung nachgewiesen. Die haben also Hirnströme gemessen und auch wirklich körperliche Reaktionen gemessen. Das fand ich das Erstaunliche daran. Also, dass wir natürlich merken, es nervt, wenn der Ton nicht gut ist. Das ist klar. Aber es wurde wirklich wissenschaftlich nachgewiesen. Das fand ich sehr, sehr spannend.
Alexandra Noack: Beim Ton ist ja auch so, ja nicht nur das schlechter Ton, sondern manchmal passt der Ton ja nicht zum Bild. Und dann muss unser
Florian: Hm?
Alexandra Noack: Gehirn quasi der Ton, der vielleicht später oder früher kommt, als die Lippen, die sich bewegen, das ja auch noch im Kopf umarbeiten. Und das ist ja auch total anstrengend, da Bild und Ton quasi fürs Gehirn zusammenzubringen, dass es eine Logik hat fürs Gehirn. Aber wie du gerade schon gesagt hast, mit den verschiedenen Kameraeinstellungen, man hat auch herausgefunden, dass auf normalen Laptops ist der Das schwebende Kopf, sag ich mal, so 13 bis 15, also ungefähr so 15 Zentimeter groß. Und das fand ich ganz interessant, dass wenn man sich so dicht zusammenstellt, dass man den Kopf ungefähr auf 15 Zentimeter hoch sehen würde in Realität, dann würden wir nicht mal 50 Zentimeter auseinanderstehen, also nicht mal einen halben Meter. Und das ist ja total die intime Zone. Also wenn ich mir jetzt vorstelle, ich stehe einer fremden
Florian: Mmh.
Alexandra Noack: Person nicht mal einen halben Meter gegenüber, dann ist das ja total befremdlich. Das dann mit Fremden oder mit Kolleginnen auf Arbeit zu haben, ist ja auch irgendwie bisschen komisch. Also einfach befremdlich, weil man es ja nicht gewohnt ist.
Florian: Also von dem, du jetzt schon gesagt hast, fallen mir schon ganz viele Punkte auf, wo man sagen könnte, das eine ist natürlich die Technik, das ist eine Süßwuchsarbeit, ist ja mein täglicher Job, ist teilweise echt einfach nur traurig. Ich sag's immer als Beispiel, gerade ich hatte gerade wieder ein Thema mit einem Vertriebsteam, wo es Video-Sellings und solche Themen gehen, wo das dann abgewählt wurde von der Geschäftsführung, aber dass alle in vernünftigen Klamotten rausgehen und sich außen vernünftig präsentieren, das ist normal. Was besser funktioniert, sind Online-Konferenzen kriege ich mit oder auch diese repräsentativen Online-Veranstaltungen. Aber generell ist Technik echt ein großes Problem, weil das wollen viele nicht angehen. Aber es gibt ja auch Dinge hinsichtlich Vorbereitung, Moderation oder Anweisungen, die man geben kann, wie man seine Videokonferenzsoftware einstellt. Da ihr ja sicherlich einen bunten Reigen an Ideen und an Tipps. Von daher
Annette Lindstädt: Ja klar.
Florian: wollen wir jetzt, ich glaube... Gesammelt haben wir genug, warum das alles so richtig in die Hose gehen kann. Das haben wir auch schon alle erlebt. Was würdet ihr sagen, fangen wir mal wirklich an bei den Dingen, die jetzt technikunabhängig sind.
Annette Lindstädt: Hm.
Florian: Was würdet ihr da an Priorisierung, die wichtigsten drei Punkte und dann, was man danach auch noch alles machen kann.
Annette Lindstädt: Ja, vielleicht müssen wir es doch mal ein bisschen ausdifferenzieren. Wir haben jetzt sehr viel über Technik, individuelle, körperliche Ebene gesprochen. Die Auswirkungen sind aber auch auf organisationaler Ebene, denn wenn die Leute erschöpft sind, wirkt sich das natürlich aufs Betriebsklima aus, auf die Zusammenarbeit.
Florian: Mmh.
Annette Lindstädt: Im schlimmsten Fall können die Burnout-Raten steigen und so weiter. Weitere Ursachen, die jetzt jenseits der körperlichen und technischen Probleme liegen, natürlich auch diese Sache, dass Meeting auf Meeting folgt, dass man fehlende Übergänge
Florian: Hm.
Annette Lindstädt: hat. Online Meetings sind ja so praktisch. Ich kann direkt von Zoom in Teams rüberklicken, ohne Pause, ohne Unterbrechung, ohne mal aus dem Fenster zu gucken. Im schlimmsten Fall, das passiert ja vielen Menschen. Dann kommt hinzu, oft ist es unzureichend moderiert. Wir haben im Vorgespräch ja schon darüber geredet, dieser Spruch, mal schnell teamsen. Das ist ja
Florian: Hm.
Annette Lindstädt: ein häufiges Phänomen, ist ja so praktisch. Man klickt schnell drauf und ist per Videocall verbunden. Und aus dem schnell teamsen wird dann doch eine Stunde, die überhaupt nicht strukturiert oder organisiert ist. Und das ermüdet natürlich auch total. Also die Ursachen liegen dann auch in der Organisation. Und
Florian: Hm.
Annette Lindstädt: was man dagegen tun kann, klar ist. was man eigentlich für jedes gute Meeting braucht. Ich mache mir vorher Gedanken, was ist das Ziel, was will ich erreichen, wer muss dabei sein? Ganz wichtiger Punkt. Nicht einfach wild Leute einladen, die vielleicht gar nichts mit Thema zu tun haben. Dann gibt es ja den berühmten Spruch, this meeting be an email? Also überlege ich mir, brauche ich das Meeting wirklich oder habe ich es nicht schneller schriftlich asynchron geklärt? Es gibt ja viele gute und handfeste Gründe, persönlich zusammenzufinden, weil bestimmt viele Dinge einfach sehr gut zu klären sind im Dialog. Aber da wird halt oft nicht hinterfragt, was da sinnvoll ist. so unsere Maßnahmen, die setzen dann eben auch auf drei Ebenen an. Einmal auf der individuellen, dann auf der Ebene derjenigen, die die Meetings durchführen oder moderieren. Die gilt es zu befähigen, dass sie
Florian: mhm
Annette Lindstädt: das gut machen. und auch auf der organisationalen Ebene. Also es gibt viele Großunternehmen, zum Beispiel meetingfreie Tage eingeführt haben, die wir übrigens auch, also bei Lindmanns, wir haben auch einen meetingfreien Tag, weil wir natürlich sehr viele Videokonferenzen haben. Das liegt in der Natur unseres Jobs. Oder einfach Meeting-Richtlinien festgelegt haben, auch Kamera-Policy festlegen zum Beispiel. Das ist auch noch mal so ein Aspekt, wichtig ist.
Florian: Hm.
Alexandra Noack: Ja, und diese Ebenen, greifen halt auch ineinander. Wenn wir jetzt sagen, auf individueller Ebene sagt man ganz gerne, man soll sich einchecken und auschecken in einem Online-Meeting, wie man es auch
Florian: Mhm.
Alexandra Noack: in Präsenz macht. Da gehst du ja auch in Raum rein und du gehst wieder raus. Dass wir das online halt auch machen. Wir stehen einmal nach dem Meeting auf, meinetwegen drehen wir uns einmal in Kreis, öffnen einmal die Tür, wie auch immer, und setzen uns wieder hin. Einfach für den Kopf und fürs Nervensystem. Das eine ist beendet, das andere startet wieder neu. Und auf organisationaler Ebene muss man dann aber halt dafür auch den Raum schaffen, dass man halt sagt, okay, die Meetings, die dürfen nicht von bis gehen, sondern das eine endet 8.55 das nächste startet erst 9. Dass man halt auch fünf Minuten Zeit hat, der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin, dort diesen Ein- Auscheck überhaupt zu machen. Also diese Ebenen müssen halt auch
Florian: Hm.
Alexandra Noack: ineinandergreifen.
Florian: Und ich glaube auch das Thema Zeit. Also ich hatte mal einen Unternehmen Kunden von uns, die wir dann auch längerfristig betreut haben, gecoacht haben, hatte ich mal mitbekommen, die haben irgendwann gesagt, wenn wir ein Online-Meeting machen für eine Absprache, ich sage mal innerhalb des Teams, Organisation, Marketing-Team, fünf bis zehn Leute, nicht an einem Standard, sondern verschiedenen, wenn wir uns in Präsenz treffen würden, das zu besprechen, brauchen wir 20 Minuten circa. Also setzen wir auch nur 20 Minuten an, weil ihre Erfahrung war, es wird ... online immer länger und irgendwie wird dann gequatscht, gequatscht, gequatscht und plötzlich hast du eine Stunde, wo drei Viertel für gar nicht sinnvoll genutzt wurden. Also das
Annette Lindstädt: Hm.
Florian: habe ich selber auch festgestellt, lieber kurz, weil es wird immer länger als ein Präsenztreffen. Zumindest bei Absprachen. Kreativ ist was anderes, Schulen auch, aber das war jetzt ganz konkret, wenn es Absprachen ging.
Annette Lindstädt: Ja, da kommen wir wieder zum Thema Moderation. Also es ist immer gut, wenn man auch vor allem in Online-Meetings vielleicht eine Person benennt, die durchmoderiert oder die zumindest den Timekeeper macht. Also das ist ja auch
Florian: Hm?
Annette Lindstädt: eine ganz wichtige Funktion, die oft vergessen wird und manchmal auch eine unbeliebte Aufgabe, die Person zu sein, die auf die Urkunft sagt, Leute, muss jetzt weitergehen, wir sind schon kurz vor knapp, aber man kann diese Rolle ja aktiv der Person geben. Und dann wird sie auch von allen akzeptiert. Also klare Rollen zuweisen ist auch so ein Stichwort, was wir propagieren und was einfach erfahrungsgemäß hilft dabei, Meetings strukturierter zu machen. Bei der Dauer bin ich, würde ich gerne differenzieren, also Beispiel bei Remote Teams zum Beispiel oder bei hybriden Teams, die eben viel sich über online austauschen und denen so diese normalen Begegnungen, zufälligen Begegnungen in der Kaffeeküche fehlen, mal ein bisschen Smalltalk
Florian: Mmh.
Annette Lindstädt: zu halten. Ist es schon auch wichtig, Alexander hat vorhin Check-in gesagt. Bei Check-in denken wir natürlich auch immer an, ich komme im Raum an und ich habe, ich habe eine Zeit, in der ich mich erst mal informell austauschen kann mit den anderen, damit ich
Florian: Hm.
Annette Lindstädt: auch das Gefühl habe, ich bin in einem Raum mit den anderen, auch wenn es nur ein virtueller ist. Das ist auch ein Ein wichtiger Punkt, und da schließt sich auch der Kreis zu unseren Online-Veranstaltungen, das ist was, was wir immer machen, dass wir den Leuten Zeit geben zum Ankommen. Also Zeit geben heißt, wir haben die Zeit vorher eingeplant. Die wird nicht von der Agenda weggenommen, sondern es ist ganz wichtig, dass die Leute im Raum ankommen können, vielleicht auch noch bisschen Technikprobleme klären, die es immer wieder gibt, auch bei Menschen, die täglich in Teams... Ich hatte gerade heute Morgen ein Meeting gegen die Bildschirmteilung nicht. warum auch immer Technik lebt und sie ist böse, es passiert halt, dass
Florian: Hm?
Annette Lindstädt: man einfach sich die Zeit nimmt, solche Dinge zu klären und auch informell anzukommen. Also wir bei Lindmanns, wir sind ja ein reines Remote-Team. Wir haben unseren Montagsjour fix und da nehmen wir uns am Anfang wirklich 20 Minuten für ein Check-in, wo jede sagt,
Florian: Mhm.
Annette Lindstädt: wie geht es mir diese Woche, wie geht es mir heute am Montagmorgen, was war los? Das ist einfach wichtig, weil wir keine echte Kaffeeküche haben, wir haben nur eine virtuelle. keine zufälligen Begegnungen. Das ist auch so eine Empfehlung,
Florian: Mhm.
Annette Lindstädt: dass man den Raum einfach gibt.
Florian: Jetzt habe ich gerade einen Faden verloren. hatte nämlich gerade eine Frage, die ich mir aufgeschrieben habe. Genau, du hattest eben Camera Policy gesagt, Annette. Das ist ja ganz großes Thema.
Annette Lindstädt: Mhm.
Florian: Zwei Ideen oder zwei Gedanken, die ich dazu hatte. Gedanke Nummer eins, ich bin immer wieder erschrocken, wie viele unserer Kunden bei Webinaren überhaupt zulassen, dass Teilnehmer Kamera und Ton anmachen. Und wenn du dann das Webinar begleitest, das habe ich auch schon öfters gemacht, eher auf der technischen Ebene, wie viel Zeit die damit verbringen, das wieder auszuschalten. Wobei es ja bei einem klassischen Front to All Webinar gar nicht nötig ist. Aber in den Köpfen ist das noch so drin. einem klassischen Webinar, man müsste das auch machen, das ist die eine Sache. Das ist spannend, dass sie nicht rauskriegen. Das andere ist, das Gegenteil, gerade in Unternehmen und Organisationen ist es ganz häufig so, da ist ein Meeting mit zehn Leuten und acht haben die Kamera aus. Und dann kommt andauernd die Frage, ja, wie kriegen wir die denn dazu motiviert? die Kamera anzumachen. Ich habe es selber erlebt, nicht in meinen Webinaren, sondern ich hatte viele Jahre auch Lehraufträge, auch in der Corona-Zeit. Das war so ätzend, du hast da 20 Studenten sitzen
Annette Lindstädt: Hm.
Florian: und vier haben die Kamera an. Ich meine, na wissen wir alle, dass zwei davon im Bett liegen und und und, aber es ist echt schwierig, die Leute zu motivieren. Habt ihr da Erfahrungswerte oder Tipps, wo man das drehen kann, weil das meines Erachtens immer noch ein großes Thema ist.
Annette Lindstädt: Willst du drauf antworten, Alexander, oder soll ich?
Alexandra Noack: Ich kann gerne den Anfang machen und du ergänzt. Genau.
Annette Lindstädt: Ich quatsch dazwischen.
Alexandra Noack: Also man muss sich halt entscheiden, ob eine Kameranutzung muss oder nicht muss. Das kommt halt wirklich ganz drauf an, was es ist. Ist es eine Uni-Vorlesung oder ist es ein Meeting mit zehn Leuten? Das macht natürlich auch einen Unterschied, auf welcher Beziehung man quasi auch zueinander steht. Wir machen das immer ganz gerne, dass wir mit Methoden arbeiten, die einfach die Kamera verlangen. Und dann sind die Leute quasi unterbewusst dazu aufgefordert, wenn sie Spaß haben wollen und mitmachen wollen, dann brauchen sie jetzt die Kamera. Wir haben da so ein paar Methoden, wo man die Kamera anmachen muss zum Abdecken oder so, abstimmen zu können oder so. Das aktiviert dann immer ganz gut. Dann gibt es auch zwischendurch so, man nennt es Energizer, das heißt, wenn man wieder
Florian: Mhm.
Alexandra Noack: mal alle Leute abholen möchte, weil es jetzt vielleicht viel frontal kam, dass alle mal wieder erwachen quasi, kann man ja auch in der Vorlesung machen, dass einfach nach einem gewissen Input mal wieder so eine Methode mit Kamera ankommt und wenn sie einmal an ist, dann schaltet man sie auch. Dann ist die Überwindung, sie wieder auszuschalten, bisschen größer. Aber weil wir ja diesen Punkt Mirror-Effekt vorn hatten, würde ich noch mal darauf eingehen, dass da vielleicht auch einige die Kamera auslassen, weil sie sich nicht die ganze Zeit selber sehen wollen. Das ist für die, für das für die einzelnen Leute ja auch die Möglichkeit gibt, in vielen Tools, in Teams oder in Zoom die Selbstansicht auszuschalten. Also das man sich gar nicht selber sehen
Florian: Mhm.
Alexandra Noack: muss. Das ist eine Möglichkeit quasi, auch dem ein bisschen entgegenzuwirken, sich die ganze Zeit den eigenen Spiegel vorzuhalten, wenn das vielleicht auch einfach der Grund dafür ist. Vielleicht muss man auch ein bisschen eher so, warum ist es einfach schlechte Faulheit oder ist es das Format, wenn man sich so das Erwartungsmanagement nicht so war?
Annette Lindstädt: Ja, ich möchte gerne noch ergänzen. Ja, diese Kamerafrage
Florian: Oder weil man eben bei anderen Sachen macht. Das ist ja auch häufig so.
Annette Lindstädt: ist ja fast ein Glaubenskrieg, möchte ich behaupten. Also es gibt viele, vor allem Menschen, die online Trainings geben, so wie du auch vorher in die Situation geschildert hast, kleine Gruppe, ich mache ein Training und die dann wirklich unbedingt wollen, dass alle die Kamera anhaben, im Gegensatz zu einem großen Webinar, wo es eigentlich gar nicht notwendig ist. Also genau wie Alexander gesagt hat, ich gucke mal, was ist überhaupt mein Format, ist es überhaupt notwendig? oder sinnvoll. Es gibt Menschen, die verfechten unbedingt immer Kamera an. Wir verfechten das nicht. Wir setzen auf Freiwilligkeit. Also klar, manchmal
Florian: Mhm.
Annette Lindstädt: mit Methoden und ich will es nicht Tricks nennen. Es sind Methoden, mit denen wir die Leute dazu bringen, die Kamera anzuschalten. Aber natürlich zwingen wir niemanden, denn das kannst du nicht machen. Das fänden wir auch übergriffig. Es gibt immer gute Gründe, die Kamera auszulassen. Man ist krank. Es gibt auch in Präsenz immer Leute, die in der letzten Reihe sitzen und keinen Ton sagen. Die gibt es einfach.
Florian: Ja.
Annette Lindstädt: Das darf online auch sein, finde ich. Wichtig ist, dass man drüber spricht. Das ist auch eine Empfehlung, dass man am Anfang Spielregeln festlegt. Wir sagen das immer in der Eingangsmoderation oder in der Einlassphase. Wir freuen uns, wenn ihr die Kameras anschaltet, weil es einfach ein besseres Miteinander ist. Weil ihr euch dann auch, wenn wir nachher Breakouts machen, besser austauschen könnt, wenn ihr euch seht. Aber natürlich zwingen wir niemanden. Es gibt immer gute Gründe. Das führt in unserer Erfahrung dazu, dass die Leute sich zumindest erklären, wenn sie die Kamera nicht anmachen. Die schreiben dann in
Florian: mhm
Annette Lindstädt: Chat, sorry, ich hab heute Bad Hair Day oder was immer auch der Grund sein mag. möchte heute nicht, ich bin halb krank oder ich weiß ich nicht. Es gibt ja genug Gründe. Ein weiterer Grund ist natürlich auch Barrierefreiheit. Wir machen häufiger mal Formate, in denen Menschen mit Beeinträchtigungen sind, die dann auch, also ich sag mal ganz flapsig, wenn ich blind bin, mache ich auch meine Kamera nicht an, weil ich sehe ja selber auch nichts. Also das ist dann
Florian: Hmm.
Annette Lindstädt: fair enough, Gleiches Recht für alle. Und deswegen handhaben wir das auf freiwilliger Basis, versuchen zu überzeugen. Und natürlich ist es unschön, wenn ich einen Workshop halte und von zehn Leuten haben, ach, die Kamera aus, aber das passiert eigentlich nicht. Wichtig ist, dass man drüber spricht und Spielregeln vereinbart. Und wenn es wirklich unerlässlich ist, dann schreiben wir es vorher schon in die Einladung und sagen Leute, bitte mit Kamera, stellt euch drauf ein.
Florian: Hm.
Annette Lindstädt: Weil das ist auch so ein Punkt. Viele Leute sind ja diese passiven Webinare gewohnt, da kommt man rein, klingt sich ein, kann zuhören und dann kommen sie in den Lindmanns Workshop und denken, huch, ihr muss ja mitmachen, Hilfe. Und das ist halt blöd, wenn das unvorbereitet passiert. Das heißt, wir schreiben das mehrfach vorneweg und sagen Achtung, es wird interaktiv. Bitte mit Kamera und Mikro stellt euch drauf ein und dann funktioniert es auch meistens.
Florian: Ja, und was ich zum Beispiel gerne auch mache, wenn ich mal in solchen Rebinaren oder auch Workshops online dabei bin als Teilnehmer, ist es extrem selten. Aber es gibt ja, sofern es in Teams oder Zoom, was ja auch, ich sage es aus technischer Sicht, leider der Standard ist, weil qualitativ ist es nun mal wirklich nicht das Beste, kann ich ja immer noch sagen, Redner bitte fixieren, dann ist die Person, die die meiste Zeit moderiert oder spricht halt im Vollbild, dann habe ich das Problem nicht. Also mich persönlich als jemand, eigentlich eher auf der anderen Seite ist und Webinare hält und online Workshops, mich irritiert das sogar, wenn andere die Kamera die ganze Zeit anhaben. Wenn es zum Austausch geht, ist auch wie in meinen Vorlesungen, da ging es den Austausch, habt ihr Fragen und so dann sprichst du in schwarze Löcher.
Annette Lindstädt: Hm.
Florian: Aber im Rahmen des Vortragens ist das teilweise schon echt irritierend, wenn du da irgendwie zehn Kachen hast und einer fummelt hier und macht so und es lenkt dich halt selber auch ab.
Annette Lindstädt: Das wollte ich auch noch sagen. Bei manchen Leuten ist man ganz froh, wenn sie die Kamera nicht anmachen, weil man dann gar nicht mitbekommt, was sie nebenher tun. Also Camera Policy heißt in dem Zusammenhang, da würden wir Unternehmen immer empfehlen, dass sie nicht strikt sagen, alle müssen immer die Kamera anhaben oder alle sollten immer die Kamera aushaben, sondern dass man
Florian: Mmh.
Annette Lindstädt: Vorgaben macht, die da eine gewisse Flexibilität erlauben im Rahmen dessen.
Alexandra Noack: Oder einfach die Atmosphäre schaffen, dass die Leute sich sehen wollen. Schafft man auch.
Florian: Mhm.
Annette Lindstädt: Genau.
Florian: Ja, ist auch was. Ich erinnere mich, der Corona-Zeit war es ja gezwungenermaßen so. Da gab es so After-Work-Treffen von Netzwerkveranstaltungen und so. Und da war auch eine ganz andere Stimmung. Also ich bin jetzt nicht wahnsinnig scharf darauf, das jeden Tag zu machen. Aber wenn ich so zurückdenke, wenn ich jetzt einmal im Monat so eine Veranstaltung hätte, wo man sich wirklich treffen möchte und miteinander sich austauschen möchte, das ist schon was anderes, als wenn du Also das habe ich so empfunden, als wenn du jetzt auf so ein Präsenztreffen gehst. Ich bin ganz viel auf LinkedIn Locals gewesen, alles gut und schön. Aber ganz ehrlich, meistens ist es bei den Präsenztreffen, wo ich trotzdem noch hingehen würde, so du sprichst dich mit zwei, drei Leuten fest. So ein richtiger Austausch, meistens bleibst du irgendwo hängen. Und ich habe am Anfang eben darüber nachgedacht, wie war das eigentlich in der Corona-Zeit? Da hatten wir ganz häufig dann so Breakout-Sessions in Zoom und du hast auch mal neue Leute kennengelernt, weil du musstest. Also es hat ja auch durchaus seine Vorteile. Wie sind das so eure Erfahrungen?
Annette Lindstädt: Absolut. Das Wichtigste, also es gibt ja viele Menschen überhaupt, man könne online nicht netzwerken. Das stimmt natürlich nicht. Was sie meinen, ist, dass dieses zufällige Vernetzen, was halt in der Präsenzveranstaltung auf dem Weg zur Toilette oder am Kaffeestand oder in der Pause passiert, das gibt es online halt nicht. Das heißt, man muss einfach gezielt Räume und damit auch Zeit einplanen für Vernetzung. Und wenn man das dann entsprechend anleitet und eben zum Beispiel Zufalls-Breakouts macht, also so Speed-Netzwerken in verteilten Gruppen,
Florian: Mhm.
Annette Lindstädt: da haben wir total tolle Erfahrungen gemacht. Nicht nur in Corona-Zeiten, wir machen das immer noch natürlich auch mit Ankündigung, ganz klar. Dann nicht überraschen die Leute. Und wir bieten zum Beispiel auch immer an, also wir machen ja ganz viele Veranstaltungen für ehrenamtlich engagierte Menschen. Und da gibt es auch oft ein Vernetzungs- oder ein kleines Gruppenarbeitsangebot. Wir machen das aber auch auf freiwilliger Basis. sagen, ey, wir wissen, es ist 17.30 du hast vielleicht einen langen Tag hinter dir, bist maulfoul und hast jetzt gar keine Lust, dann doch mit fremden Leuten noch in einem kleinen Dreier-Breakout zu sein. Dann nenn dich mach dir einen Z-Vornamen und wir sortieren dich in den Pausenraum. Und dann können die halt während der Zeit
Florian: Mhm.
Annette Lindstädt: der Breakouts einfach zehn Minuten chillen in einem Raum in schwarzen Kacheln und kommen dann aber wieder zurück. Und dann haben wir sie für das Hauptevent nicht verloren. Sowas machen wir zum Beispiel auch. Aber wenn Netzwerken eingeplant ist und gut angeleitet ist, vielleicht auch mit ein paar Leitfragen, die man nehmen kann, aber nicht muss, dann funktioniert das extrem gut. Da haben wir sehr viel gute Erfahrungen mitgemacht und sehr begeisterte Teilnehmende. kommen immer aus den Breakouts und schnattern und sagen, war zu kurz. Und das funktioniert sehr gut.
Florian: So kenne ich es nämlich auch noch. Manchmal schon vorbei, meistens so fünf Minuten gewesen. Ja, Alexander, wolltest du noch was dazu sagen?
Alexandra Noack: Ja, also eigentlich nur vielleicht noch den Tipp, was wir auch immer machen, wenn wir jetzt keine Netzwerkveranstaltungen gemacht haben, aber es trotzdem so eine 5-10 Minuten Gruppenarbeit gibt, dann schicken wir danach immer so einen Link in den Chat. Dann können die Leute da nämlich ihre Kontaktdaten eintragen, das halten wir ganz sauber und entfernen die danach ein paar Tagen wieder, einfach damit, falls man in den 5 Minuten nicht dazu gekommen ist, seinen Vereinsnamen untereinander auszutauschen. kann man danach einfach nochmal ganz kurz quasi das LinkedIn-Profil, wie auch immer man in Kontakt bleiben will, dort eintragen und dann haben sie trotzdem die Möglichkeit gehabt, auch wenn die Veranstaltung nicht darauf ausgelegt war, aber wie Annette schreibt, beim Kaffee holen oder so wäre es halt passiert und so machen wir es halt online ein bisschen anders.
Annette Lindstädt: wollte vielleicht noch was ergänzen zum Thema, nebenher machen. Das haben wir immer mal
Alexandra Noack: Mmh.
Annette Lindstädt: so im Nebensatz jetzt angesprochen. Also zum einen das berühmte Multitasking. Ich sitze im Webinar und mache nebenher was anderes. denken ja viele, das wäre effizient. Aber das Gegenteil ist der Fall. Da hat Alexandra herausgefunden, dass die Forschung ermittelt hat, dass das Multitasking einfach auch noch mal zusätzlich überlastet. Und dem kannst du halt dadurch entgegenwirken, dass du die Leute eben nicht zur Passivität verdammst, sondern sie einbindest. Also wir sind da ja immer ganz streng und sagen keine 10 Minuten Monolog, ohne die Teilnehmenden einzubinden.
Florian: Mhm.
Annette Lindstädt: Also sie wenigstens mit einer Chatfrage. muss, es kann was ganz Niedrigschwelliges sein. Ich muss nicht eine Riesenumfrage oder eine Riesen Austausch Session einbauen, aber nach 10 Minuten mal kurz sagen so, was meint ihr denn dazu in verschiedensten Formaten? Und dann sind die Leute dabei und dann machen sie auch nichts nebenher. Vielleicht noch ein wichtiger Punkt zur Ergänzung.
Florian: Es ist witzig, dass du das gerade sagst. mir kam gerade eine Frage. Kunde von mir hat mich gestern gefragt, wir haben den nächsten Workshop zusammen. Kannst dir mal Gedanken darüber machen, wie ich bei meinen Webinaren irgendwie das ein bisschen spannender gestalten kann? Weil es ist ein technisches, trockenes Thema, worüber er mehrfach die Woche seine Kunden oder neue Kunden
Annette Lindstädt: Mhm.
Florian: informiert. Und das dauert meistens eine Stunde mit An- und Abmoderationen und so. Sind es vielleicht 40 Minuten netto. Und ich habe das ein paar Mal begleitet. Das ist technisch, mehrere Kameras hat er, hat ein Studio von uns und präsentieren hier und so weiter und Das ist alles super. Aber wie du es gerade schon gesagt hast, im Prinzip 40 Minuten Monolog. Und das ist das, was ich ganz, ganz oft mitkriege. Ich habe dazu anfangs auch geneigt, muss ich sagen. Ich bin gewohnt, ich habe früher Präsenzseminare noch in Nücher gehalten. Da war es dann immer so, wenn ich theoretische Sachen erklärt habe, wie im Tontechnik, Audioproduktion, habe ich Fragen gestellt und es dann praktisch gezeigt. Dadurch war das sehr einfach zu durchbrechen. Aber ich habe gemerkt, bei Online-Veranstaltungen fällt das viel schwerer, weil die Reaktionszeit bei den Leuten viel länger ist. Wie sind da eure Erfahrungen? Und vielleicht drei Tipps, die so niederschwellig sind, was man in jeder Zeit machen kann.
Annette Lindstädt: Ja, auch das musst du halt einplanen, natürlich. Also wenn wir unseren berüchtigten Regieplan schreiben, ist da immer Zeit eingeplant für eine kurze Interaktion. Ja, drei Tipps. spontan, man kann immer eine schnelle Umfrage machen. Entweder mit den Tools, an Bord sind oder mit Mentimeter oder so. Das dauert nicht lang, zwei Minuten. Oder man macht einen Chat-Wasserfall. alle schreiben gleichzeitig, alle schreiben was in den Chat, schicken es aber erst auf Kommando ab, sodass das dann ganz schnell reinplattet.
Florian: Mhm.
Annette Lindstädt: Das ist im Prinzip ein bisschen wie so ein Silent-Brainstorm. Alexander, dir gefällt es. Ja, genau.
Alexandra Noack: Nummer drei mache ich, genau. Vielleicht, dass wir eine Kameraaktivierung zwischendurch haben, einfach analog Daumen hoch, Daumen runter. Einfach eine Ja-Nein-Frage am besten stellen und dann die Leute einfach nicht den virtuellen Daumen hoch und runter, weil dann braucht man keine Kamera einschalten, sondern den analogen Daumen. Ja, es gibt aber ganz viele verschiedene Mittel, da kann man ja auch kreativ werden, aber einfach, das ist nach zehn Minuten. Man kennt ja selber, dass man sich irgendwann nicht konzentrieren kann, dass man einmal wieder aufgeweckt wird.
Florian: Hm.
Annette Lindstädt: muss man natürlich gucken, dass es zum Thema passt logischerweise. Jetzt also nicht Beteiligung der Beteiligung wählen, aber man kann es ja thematisch einplanen, dass man Bezug aufs Thema nimmt inhaltlich oder dass es auch vom Format zum Thema passt. Da gibt es 1000 Methoden in unserem Koffer, aber das waren jetzt mal so
Florian: Mmh.
Annette Lindstädt: drei schnelle Hacks, die nicht viel Zeit kosten.
Florian: Erinnert mich gerade auch an den Klassiker, man hält ein Webinar, 40 Minuten Gequatsche, Monolog. Und am Ende habt ihr noch Fragen. Also ich hab's ja selber auch früher erlebt, dann kommen zwei Fragen, sind die überambitionierten, also ich meine es nicht negativ, sondern die, die wirklich darauf gefiebert
Annette Lindstädt: Mhm.
Florian: haben, endlich ihre Fragen zu stellen. Und ansonsten kommt nichts. Und vor vielen Jahren, hab in der Corona-Zeit am Anfang hauptsächlich Trainer und Coaches betreut beim Thema Online-Präsenz, technisch hauptsächlich. sagte mir mal eine Kundin, mach's doch ganz banal, stell am Anfang, wenn das Webinar startet, erst mal so ganz blöde Fragen wie, hey, wer ist zum ersten Mal hier? Daumen hoch, Daumen runter. Wo kommt ihr her? Wofür braucht ihr das? Und ich dachte, na ja, aber wer interessiert ist, der stellt ja trotzdem Fragen. Aber allein diese ganz niederschwellige Nummer hat schon dazu geführt, dass plötzlich Dialoge im Chat losgingen. Also das
Annette Lindstädt: Hm, genau.
Florian: fand ich super spannend, weil...
Annette Lindstädt: Ja, das ist das, was ich am Anfang meinte, mit dem, den Leuten Zeit anzukommen und ja, also nutze die Zeit vielleicht auch vor dem offiziellen Start, bevor es offiziell losgeht. Wir ermuntern die Leute immer, ihr könnt jetzt gerne alle durcheinander quatschen, bis es richtig losgeht. Da sind die oft ganz erstaunt. Aber wenn die dann so angewärmt sind, dann fragen die später auch was. Und wir steigen auch ganz oft mit einer schnellen Menti-Befragung ein oder mit einer Frage im Chat und so. Einfach damit die Leute schon von Anfang an aktiviert sind. Wenn du nach 40 Minuten die erste Frage stellst, das total normal, dass keiner was fragt.
Alexandra Noack: Ja.
Annette Lindstädt: Das funktioniert einfach nicht gut. Ja, das ist klar. Ja, genau.
Florian: Ich ja schon im Tiebschlaf.
Alexandra Noack: Als Meetingordner muss man auch immer vor Augen haben, wenn die Sachen in Präsenz funktionieren, funktionieren sie nicht automatisch online. Also man
Annette Lindstädt: Hmm.
Alexandra Noack: muss in der Moderation und im Aufbau sich halt auch einen Aufbau für eine Online-Veranstaltung oder für ein Online-Meeting überlegen und es nicht einfach aus dem Präsenz adaptieren. Das funktioniert leider nicht immer oder in den seltensten
Florian: Mmh.
Annette Lindstädt: Ja, genau. Das ganz wichtig.
Florian: Das erinnert mich an Aussagen, ich hatte echt die skurrülsten Dinge damals in Corona-Zeit. Ich hatte regelmäßig Erstgespräche, Beratungsgespräche mit Trainer und Coaches, Trainerinnen. Und da waren einige dabei, die melden sich bei mir an, zu erfahren, ich hatte so Online-Programm und haben mir permanent gesagt, das ist alles Schrott und funktioniert nicht. Ja wie, ja und dann kamen genau die Dinge, die Leute reagieren, also online kann man keine Leute coachen und dann kann man keine Trainings machen und sonst was. Ja, und ich hab's dann selber ja auch miterlebt in meinen Online-Programmen, wo ich Leute begleitet hab, die haben halt ihre Folien. Okay, das hab ich früher mal gemacht. Peng, so, und wenn ich dir jetzt vortrage, reagiert keiner.
Annette Lindstädt: Das ist ein großer Teil unserer Dienstleistung, Menschen und Organisationen zu beraten, wie sie ein bestehendes Präsenzformat in ein kluges Onlineformat umsetzen. Das muss man einfach anpassen und dann funktioniert es auch sehr gut und macht Spaß.
Florian: Sehr gut zu wissen. Definitiv kann ich nur empfehlen, wenn ihr da mehr wissen wollt, alle, zuhören, wendet euch an Annette und an Alexandra. Ich pack euer LinkedIn-Profil natürlich in die Show Notes
Annette Lindstädt: Sehr gerne.
Florian: und dann habt ihr die passenden Ansprechpartner. Ich sehe gerade, die Zeit ist so schön rumgegangen, das ist der Wahnsinn. Von daher habe ich eine letzte Frage an jede von euch. Wenn ihr eine einzige Sache in der heutigen Videokonferenz, Szene, Videokonferenzkultur was stattfindet heute ändern könntet. Was wäre das? Wer möchte anfangen? Das ist fies, So eine Sache, dieses Fokus ist ein ganz blödes Thema. Aber was fällt euch spontan ein?
Annette Lindstädt: Ich hätte gerne die Experimentierfreude wieder, die es in der Corona-Zeit gab, wo die Leute wirklich sehr offen waren, auch ungewöhnliche Formate im virtuellen Raum auszuprobieren, also wo wir ganz viel auch Rahmenprogramme gestaltet haben und eine größere Bereitschaft. Da war in meinem Empfinden Dinge auszuprobieren. Heute ist es wirklich eher so bisschen runtergedampft. Wir machen die kurzen, schnellen Formate online, weil die so praktisch sind. Aber dass man Online-Formate auch wirklich unterhaltsam, ich will jetzt nicht interaktiv
Florian: Mmh.
Annette Lindstädt: sagen, das versteht sich von selbst, aber auch unterhaltsam und ansprechend gestalten kann. Dieses Bewusstsein hätte ich gerne wieder ein bisschen mehr, wenn ich das ändern könnte.
Alexandra Noack: Ich finde den Punkt sehr gut. Ich würde vielleicht noch anknüpfen. Wir machen jetzt seit sechs Jahren Online-Veranstaltungen, Online-Meetings. Wir können jetzt auch langsam mal lernen, wie wir sie 100 Prozent barrierefrei vielleicht hinkriegen könnten. Das ist uns nämlich auch ein großes Anliegen, dass wir, wir machen das jetzt alles alltäglich. Wir können uns ja langsam mal überlegen, wie wir jeden abholen könnten. Das ist ja
Florian: Mhm.
Alexandra Noack: Eigentlich hätte das ja schon vor sechs Jahren anfangen müssen mit. Das ist auch ein sehr schönes Thema.
Annette Lindstädt: Ja.
Florian: Ja, und vielleicht was mir noch eingefallen ist, ich habe das Gefühl, wie du schon sehr schön gesagt hast, Annette, im Vergleich zu vielen Dingen, die in der Corona-Zeit gemacht wurden, gab es danach einen brutalen Rückschritt. Also sowohl in der Akzeptanz, gerade auch in Unternehmen so, hui, jetzt sind wir aber froh, dass das vorbei ist, jetzt können wir wieder alles in Präsenz machen. Anstatt zu gucken, welche Benefits haben wir eigentlich damals gehabt und womit konnten wir Leute einfach auf einer anderen Ebene abholen. Also das ist ja nicht unbedingt alles schlecht gewesen, nur weil man gezwungen war dazu.
Annette Lindstädt: Richtig.
Florian: Grundsätzlich zu dem, was du sagst, Alexandra, ich beschäftige mich ja immer wieder viel damit. Was kann man machen und was machen andere Länder? Das ist natürlich echt traurig, wenn wir uns angucken, was für eine Kultur... Ja, meine Kultur in USA in einem Satz zu nennen, ist halt auch ein schwieriges Thema, aber da herrscht, was online betrifft und Videokommunikatum betrifft, eine ganz andere Kultur. Das ist so krass wie... Also, das ist nicht nur in USA so. Ich bin in verschiedenen Foren, rein interessenshalber. zum Thema Livestreaming und andere Themen, da mal zu gucken, was passiert. In so vielen anderen Ländern sind die Organisationen, Unternehmen, selbst Vereine, sind da so viel weiter als bei uns. Bei uns ist immer sofort Bedenkenträger, das wissen wir ja sowieso,
Annette Lindstädt: Hm.
Florian: aber das war ja auch schon vor 2020. Bei uns hat man so getan, 2020, wow, es gibt Videokommunikation. Also die ersten Unternehmen in USA haben 2009 Video-Selling betrieben. Das muss man sich mal reinziehen.
Annette Lindstädt: Hm.
Florian: Also erfolgreich damit Umsätze gemacht. Ich hab das auf Vertrieb viel beschäftigt. Und das ist echt ein Problem, wir denken, dass es dann wieder rückschrittig wurde, sogar nach Corona. Da ist es echt traurig und irgendwo auch nicht verwunderlich, dass, wie du gesagt hast, Alexandra, das Thema Barrierefreiheit, ja, kann man mal mitnehmen. Auf dem Niveau ist das ja. Ich hatte da auch mal vor zwei Jahren ein Podcast-Interview mit einer Expertin, die meinte auch, das ist so traurig, wie das ja überhaupt nicht Gedanken darüber gemacht wird. Aber es ist, glaube ich, echt ein allgemeines Problem, weil wir da einfach die Akzeptanz allgemein immer noch nicht so haben.
Annette Lindstädt: Ja, ist jetzt Bewegung reingekommen in das Thema durch das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, was letztes Jahr in Kraft getreten ist, aber das beschränkt sich bei digitaler Barrierefreiheit. Denken halt viele an Websites und Shops und Dokumente, was gut ist. Also das hat schon Bewegung
Florian: Mmh.
Annette Lindstädt: in die Sache gebracht, aber Online-Zusammenkünfte werden dann noch nicht mitgedacht. Das ist aus meiner Sicht der nächste Schritt oder aus unserer Sicht, dass man auch da schaut, wo können wir Barrieren abbauen für Menschen, weil das sind auch Formate, die gerade für Menschen mit Beeinträchtigungen häufig besser erreichbar sind als Präsenzformate. da
Florian: Mmh.
Annette Lindstädt: arbeiten wir zum Beispiel auch dran, dass wir da Wissen vermitteln, wie man das besser machen kann.
Alexandra Noack: überhaupt an der optimistischen Einstellung gegenüber Online-Veranstaltungen und Meetings, dass das alles richtig gut einig ist.
Florian: Ja, bin ich absolut bei euch. Annett kennt das ja schon. Wir haben uns ja auch Präsenz mal getroffen beim LinkedIn Local in Darmstadt. Ich sehe mich da auch echt fast schon missionarisch manchmal unterwegs.
Annette Lindstädt: Hm.
Florian: ich kann manchmal wirklich, jetzt auch gerade kürzlich, wie gesagt, hatte ich zwei Fälle, wo es darum ging, Vertriebsorganisationen innerhalb von Firmen zu schulen und fit zu machen. die Initialzündung kam nicht aus der Abteilung. Sehr muss man sagen. Und dann die Argumente, warum sie es nicht machen, wo ich nur sage, aber ich weiß doch ... dass ihr mehr Umsatz braucht oder dass ihr mehr machen müsst. Also jetzt ein sehr spezielles Beispiel, geht aber für andere Dinge. Oder Unternehmen dieses Beschweren, dass sie nicht in der Sichtbarkeit sind. Ja, die Leute gucken immer mehr Videos. Also dieses, ist schon sehr viel missionarische Arbeit und Optimismus gefragt, das Thema voranzubringen, definitiv.
Annette Lindstädt: Die Vertriebsorientierten kriegst du vielleicht mit dem Argument, dass sie, wenn sie nicht barrierefrei sind, sehenden Auges, pun intended, bestimmte Zielgruppen von ihrem Angebot ausschließen. Vielleicht überzeugt sie das ja.
Florian: Ja, das ist ein schwieriges Thema. Wenn man gut verkaufen kann, kann man jeden immer verkaufen. Sind ja die dummen Sprüche. Aber ist egal. Dumme Sprüche
Annette Lindstädt: Hm.
Alexandra Noack: Mh!
Florian: in Anführungsstrichen sind die typischen Vertriebstrainer-Sprüche.
Annette Lindstädt: Hach!
Florian: Ja, aber die Welt hat sich verändert, definitiv. Prima, ich danke euch beiden für die vielen spannenden Insights rund das Thema. War ja nicht nur Zoom-Fatigue, sondern überhaupt Online-Veranstaltungen und was man da alles besser machen kann. Ich hoffe, euch hat es gefallen, auch allen, zugehört haben. Vielen Dank, dass ihr auch dabei wart.
Annette Lindstädt: Danke dir für die Einladung.
Florian: Gerne.
Alexandra Noack: Ich hoffe, paar mehr ist das Wort jetzt ein Begriff.
Florian: Definitiv, auf jeden Fall. Ja, und alle, zuhören, schön, dass ihr dabei wart und ja, bis zum nächsten Mal, wenn wir die neue Podcast-Folge draußen haben. Macht's gut, tschüss!